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15.01.2018 22:34

15.01.2018 „Nur im Bündnis und wenn wir Cluster bilden sind wir stark“

Interview mit Dr. Nancy Wilms, Leiterin des China Competence Center, Wirtschaftsförderung Wuppertal

Autor: PKS-GmbH vom 15.01.18

PKS: Die Stadt Wuppertal hat im letzten Herbst einen vielbeachteten Deutsch-Chinesischen Automobilkongress veranstaltet, der 350 deutsche und chinesische Vertreter der Automobilbranche zusammengebracht hat. Welches Erfolgskonzept liegt dem zugrunde? Dr. Wilms: Im Verhältnis zu China sind alle einzelnen Städte in Deutschland (mit Ausnahme von ganz wenigen Großstädten) zu „klein“ und zu „anonym“ und „unbekannt“. Die klassische Standortpräsentation von unseren Kollegen der Wirtschaftsförderung wird die Chinesen wenig beeindrucken. Nur im Bündnis und wenn wir Cluster bilden sind wir stark. Dabei sind nach meiner Erfahrung folgende Erfolgsfaktoren besonders wichtig:

  • Wir müssen Wirtschaftsförderung von den Unternehmen und ihren Bedürfnissen her denken und die Unternehmen ganz in den Vordergrund stellen. Die Regierung hat – auf allen Ebenen – die Aufgabe, im Hintergrund zu unterstützen.
  • Wichtige und richtige Partner zu finden, was voraussetzt, dass man deren Kompetenzen gut kennt.
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse und Erwartungen aller Beteiligten.
  • Und bei Veranstaltungen: Statt „Gesichtskonferenz“ mit viel Protokoll einen Kongress mit Inhalten füllen, die sowohl für Deutschland als auch für China aktuell und zukunftsorientiert sind.

Was planen Sie in diesem Zusammenhang für die Hannover Messe im April 2018? Im Zusammenhang mit unserem deutsch-chinesischen Automobilkongress planen wir, gemeinsam mit einer chinesischen ISA-Mitgliedsstadt einen „Technologie-Inkubator“ in Wuppertal, der von der chinesischen Regierung und den dortigen Automobilunternehmen unterstützt wird. Das Ziel ist, mehr Kooperation zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen bei Technologie-Startups und in den F&E-Zentren großer chinesischer Automobilhersteller und -zulieferer. Wir werden dieses Projekt auf der Hannover Messe vorstellen in der Erwartung, dass sich eine Reihe von deutschen und chinesischen Unternehmen daran beteiligt.

Welche Unterstützung erwarten Sie sich generell von der Chinesisch-Deutschen Industriestädteallianz? Am wichtigsten für mich ist die Funktion der ISA als effiziente Plattform für mehr Kommunikation und Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedsstädten.

Sie hatten Ihre Kollegen, die Vertreter der Wirtschaftsförderungen aus den deutschen Mitgliedsstädten, eingeladen, zusammen mit den entsprechenden Unternehmen Ihrer Städte an Ihrem Kongress teilzunehmen. Sehen Sie eine Chance, dass die ISA-Mitgliedsstädte sich von Fall zu Fall auch untereinander helfen und unterstützen und zusätzliche Netzwerke bilden? Was kann man gegebenenfalls dafür tun? Ja, sicher. Man könnte zum Beispiel ein integriertes Marketingkonzept innerhalb der ISA entwickeln. Wenn das Konsens findet und gewünscht wird, könnte jede Stadt für sich eine Kernindustrie als Cluster bestimmen. Wir in Wuppertal sind sehr gern bereit, unsere Erfahrungen, wie man in einem Cluster am besten mit China zusammenarbeitet, mit den anderen Mitgliedsstädten zu teilen.