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21.07.2021 16:03

Live aus Wuppertal - Im Dialog mit Hidden Champions

Per Live-Stream aus der Historischen Stadthalle: Hidden Champions aus Wuppertal, die seit Jahren im Land der Mitte aktiv sind, lieferten exklusive Einblicke in ihre erfolgreichen Geschäftsmodelle und internationalen Managementprozesse. Kommunale Vertreter bekräftigten, auch zukünftig auf internationale Kooperation zu setzen

Autor: C³

Im Dialog mit Hidden Champions

Oberbürgermeister Prof. Dr. Uwe Schneidewind präsentiert Wuppertaler Strategien zur Stadtentwicklung und Außenwirtschaftsförderung

Stark besetzte Expertenrunde im Gespräch (Von links: Hui LI, Beijing Automotive Group Europa; Michael Ambros, K.A. Schmersal; Michael Eytzinger, Dahua Technology; Dr. Jürgen Möller, Vorwerk Autotec; Dr. Dieter Beste, 2. Vorsitzender des Verbands Deutscher Hidden Champions)

Mobiles Studio des Wuppertaler Spezialisten Saur TV in der Historischen Stadthalle (HSW)

CEO Dr. Jürgen Möller präsentiert den Wuppertaler Hidden Champions Vorwerk Autotec

Dr. Rolf Volmerig und Projektleiter des China Competence Centers Hanno Rademacher mit den Veranstaltungspartnern

Liveübertragung aus Wuppertal

Kameras, Scheinwerfer und Bildschirme in sämtlichen Größen – für den Live-Stream „Im Dialog mit Hidden Champions“ wurde die Historische Stadthalle in ein Sendestudio verwandelt. Das Wuppertaler China Competence Center (C³) der Wirtschaftsförderung Wuppertal hatte zu einem bilateralen Austausch zu aktuellen Fragen der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen eingeladen. In Kooperation mit der China International Investment Promotion Agency (CIIPA Germany) und dem Verband Deutscher Hidden Champions e.V. (VDHC) organisierte die Stadt Wuppertal die knapp dreistündige Veranstaltung, die in beide Länder übertragen wurde. Zu Gast waren kommunale Vertreter sowie Akteure aus der Wirtschaft.

 

Hidden Champions - Driver der Global Economy


Hanno Rademacher, Projektleiter des C³ eröffnete die Veranstaltung und kündigte Wuppertal als Heimat vieler Hidden Champions an: Unternehmen, die in ihrer Branche hochspezialisiert, erfolgreich und international tätig sind – aber deren Markenname in der breiten Öffentlichkeit selten bekannt ist.


Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Hermann Simon, der den Begriff Hidden Champions geprägt hat, führte weiter aus, dass die mittelständischen Unternehmen eine große Rolle im Exportgeschäft und der Globalisierung spielen. Jedoch zeigen sich noch große Unterschiede zwischen deutschen und chinesischen Hidden Champions. Während die deutschen Unternehmen in durchschnittlich 50 Ländern aktiv seien und in ihren Branchen als starke Marken gälten, seien vergleichbare chinesische Unternehmen noch eher in der Wachstumsphase und im Durchschnitt nur in zehn Ländern vertreten. Dafür profitieren sie laut Simon aber von einer großen Kapitalstärke und Investitionen in Forschung und Entwicklung. Der Experte sieht zudem einen generellen Trend in der Globalisierung, hin zu mehr direkten Investitionen in den Zielländern.


Flexibilität, Kundennähe und direkte Investitionen vor Ort sind Trend


Diesen Trend konnten die Vertreter der Wuppertaler Unternehmen bestätigen. Dr. Jürgen Möller, CEO des Automobilzulieferers Vorwerk Autotec, stellte das Unternehmen, die Produkte und Aktivitäten auf dem chinesischen Markt vor. Neben Niederlassungen in Europa, Indien und Nord- und Mittelamerika unterhält Vorwerk Autotec auch Entwicklungs- und Produktionszentren im Osten Chinas. Zur Vorwerk Unternehmensgruppe gehören zahlreiche spezialisierte Betriebe, was eine optimale und von externen Partnern weitestgehend unabhängige Wertschöpfungskette ermöglicht. Somit kam Vorwerk Autotec besser mit den durch die Corona-Pandemie unterbrochenen Lieferketten zurecht als viele andere Unternehmen, berichtete Dr. Jürgen Möller. In jedem Land habe man ein lokales Management, das nah dran an den Kunden und Lieferanten vor Ort sei. So könne das Unternehmen schnell auf veränderte Situationen reagieren. Das sei auch in Zukunft einer der wichtigsten Faktoren: „Nicht die Großen schlucken irgendwann die Kleinen, sondern die Schnellen werden die Langsamen schlucken“, so Möller. Innovationen seien daher für Produkte ebenso wichtig wie für betriebliche Prozesse: „Man darf sich nicht darauf ausruhen, sich als Hidden Champion zu fühlen, sonst gehört man morgen schon zum alten Eisen.“


Auf Flexibilität und Kundennähe im internationalen Geschäft setzt auch der Spezialist für Sicherheitstechnik K.A. Schmersal. Seit 1997 ist das Unternehmen in China tätig. „Das Werk ist ein Abbild zum Werk in Wuppertal“, erklärte Geschäftsführer Michael Ambros. „Deshalb gibt es bei uns auch kein Made in China oder Made in Germany, sondern nur Made by Schmersal“. Als Unternehmen, das im Ausland tätig ist, wachse man zunehmend in die lokalen Märkte hinein und passe sich an die kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an. „Man muss von den Kunden vor Ort lernen und sich eine gewisse Flexibilität erhalten“, so Ambros. Die digitale Kommunikation mit Kunden sei ein gutes Beispiel für die unterschiedlichen Gewohnheiten. In China laufe die vor allem über einen mobilen Messenger-Dienst. In Deutschland bevorzuge man nach wie vor die direkte Kommunikation. Die Pandemie habe aber auch an dieser Stelle die Digitalisierung beschleunigt.


Experten im Dialog


Von chinesischer Seite waren Unternehmensvertreter der Beijing Automotive Group Europa und Dahua Technology vor Ort. Michael Eytzinger, Sales Director des in Düsseldorf ansässigen chinesischen Hersteller von Kamerasystemen für Gebäude und Infrastruktur bestätigte die Ausführungen der Wuppertaler Unternehmer. Für einen langfristigen Erfolg müsse man schnelle Lösungen für lokale Märkte anbieten können und dabei auch die besonderen Rahmenbedingungen eines jeden Landes berücksichtigen.

Hui Li, General Manager von Beijing Automotive Europe, war nach dem 1. Deutsch-Chinesischen Automobilkongress 2017 bereits zum zweiten Mal in Wuppertal. Er beschrieb die Veränderung der Wertschöpfungsketten und des Zulieferergefüges im Zuge der Pandemie, aber auch durch die fortschreitende Digitalisierung. Hidden Champions aus Deutschland besitzen seiner Meinung nach noch immer einen Vorschuss im technischen Know-How. Chinesische Unternehmen erhielten leichter Kapitalzugang.

Alle Unternehmen waren sich einig das internationale Engagement jeweils auszubauen.


Ausbau der Kooperation geplant


Oberbürgermeister Prof. Dr. Uwe Schneidewind und Dr. Rolf Volmerig trafen in der 2. Paneldiskussion auf kommunale Repräsentanten aus den chinesischen Städten Shenzhen, Jinan und Kaifeng. Das Gespräch wurde von Dr. Dieter Beste, dem zweiten Vorsitzenden des VDHC, geleitet.

Dass Deutschland und China auch in Zukunft wichtige Wirtschaftspartner seien, betonte Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. „Um die globalen Herausforderungen wie Kreislaufwirtschaft und Klimawandel zu meistern, brauchen wir die Zusammenarbeit starker Unternehmen. Wir brauchen aber auch starke Städtekooperationen“, so Schneidewind. Die Wissenschaft und der Wissenstransfer spielen hierbei eine starke Rolle. „Innovationen entstehen am besten im internationalen Zusammenspiel“. Um diesen Worten gleich Taten folgen zu lassen, unterzeichneten Oberbürgermeister Uwe Schneidewind und Yaojun XU, Direktor der China International Investment Promotion Agency (CIIPA Germany), eine gemeinsame Absichtserklärung zur weiteren internationalen Zusammenarbeit.